Kommentar 2
Vier mal I, so könnte die Kurzform dieses Kommentars lauten. In unserer Diskussion ging es darum, warum Menschen auf relevante Probleme unterschiedlich reagieren und wie diese unterschiedlichen Reaktionen bewertet werden müssen.
Zwei meiner Gesprächspartner wiesen in der Diskussion auf die Aussagen des amerikanischen Neurologen Dan Gilbert und der deutschen Journalistin und Autorin Maike Gosch hin, die sich mit dem Thema menschliche Reaktionen auf Bedrohungen auseinander setzten.
Wir stimmten mit dem Fakt überein, dass unser Gehirn in Situationen, die mit unseren gewohnten Verhaltensmustern nicht zu bewältigen sind, auf frühzeitliche Lösungen zurückgreift. Es entscheidet sich zwischen Flucht, Angriff oder Erstarrung. Mediziner bezeichnen diesen geistigen Prozess als archaisches Alarmsystem.
Bedrohungen werden von unserem Gehirn unterschiedlich wahrgenommen, wobei besonders vier Bedrohungen bei uns starke Reaktionen auslösen:
1. Intentionale Bedrohung (absichtlich)
2. Immoralische Bedrohung (unmoralisch)
3. Imminente Bedrohung (unmittelbar bevorstehend)
4. Instantaneouse Bedrohung (augenblicklich, schnell passierend)
Es besteht aber auch die Gefahr, dass wir manipulierbar sind. Diese besondere Aufmerksamkeit unseres Gehirns auf bestimmte Trigger von Kommunikationsstrategen kann ausgenutzt werden, um uns zu manipulieren und unsere Reaktionen abzuwarten.
Hier sei auch an den Begriff „kognitive Kriegsführung“ erinnert, der im Umfeld der NATO entstanden ist. Das Perfide dieses Begriffs ist der Fakt, dass beim normalen Bürger weder Zweifel noch Ängste geweckt werden. Schließlich ist ja die NATO ein Verteidigungsbündnis und diese neue Waffengattung dient nur der Verbesserung ihrer Verteidigungsfähigkeit. Unterschwellig wird suggeriert, dass es eine humanere Kriegsführung mit sogenannten Soft-Powerwaffen geben wird.
Erinnern wir uns: zu den kognitiven Funktionen des Menschen gehören Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Erkennen, Vorstellen, Gedächtnis, Handlungsplanung, Kommunikation und andere, zum Beispiel die kritische Prüfung und Bewertung der Informationen. Und genau diese Funktionen des Einzelnen und der Gesellschaft sind Ziel dieser kognitiven Manipulationstechniken; Stichwort des Verteidigungsministers Pistorius - Erlangung der erforderlich Kriegstüchtigkeit.
Wenn wir dem Rat von Albrecht Müller, dem Herausgeber der NachDenkseiten, "Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst.“ folgen, befähigen wir uns selbst, besonders jetzt, in der Gegenwart von Kriegen und Konflikten, aber auch in Fragen einer Kriegsbeteiligung, nicht sofort emotional zu reagieren, sondern uns einen kühlen Kopf zu bewahren, unser kritisches Denken zu erweitern, die jeweilige Situation in Ruhe zu bewerten, um dann besonnen reagieren zu können.